Das perfekte Bewerbungsgespräch

Du hast dich beworben und eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch erhalten – gut, der erste Schritt ist getan. Jetzt liegt es an dir die letzten Knöpfe zu drücken und Schalter umzulegen, um deine Traumstelle auch bald dein Eigen nennen zu können.

Menschen verhalten sich seltsam während Vorstellungsgesprächen – und ja, nicht nur Bewerber, auch Interviewer, oder noch besser gesagt – gerade Interviewer. Sie fragen merkwürdige Fragen, kreieren seltsame Szenarien und legen massiven Wert auf Dinge, die in der Praxis redundant sind.

Dieser Guide zeigt dir, wie du dein nächstes Bewerbungsgespräch rockst und so den Job deiner Träume ergatterst.

Vorbereitung

  • Passe deinen Lebenslauf an die Stelle und das Unternehmen an. Hier und da kleine Anpassungen machen dich interessanter und es ist leichter für den Interviewer in dir einen Mehrwert zu erkennen. Gleichzeitig schaffst du es so, bereits Assoziationen zwischen dir und der Stelle zu generieren. Übertreibe es nicht und beachte die Grundregeln eines Lebenslaufs (chronologisch).
  • Stelle Recherchen zum Unternehmen an. Mach mehr als nur die Homepage anzusehen. Lies Presseartikel, Aussendungen, Quartals- und Jahresberichte. Das ist zeitaufwendig und sollte dir der Job egal sein, stimmt wohl das Zeit/Nutzen-Verhältnis nicht. Aber lass uns ehrlich sein – wäre das so, würdest du wohl kaum diesen Beitrag lesen. Glänze mit Statements wie „Ich hab den letzten Quartalsbericht gelesen und war beeindruckt von…“.
  • Stelle Recherchen zu deinem Interviewer an. Heutzutage sind die meisten Personen online auffindbar (z.B. LinkedIn). Informationen über den beruflichen Werdegang, oder die Ausbildung deines Interviewers können dir helfen, aber mach die Situation nicht komisch, indem du Sachen sagst wie „Ich hab Ihr Tennisfoto vom Ibiza-Urlaub auf Facebook gesehen.“.
  • Der richtige Tag. Oft hat man natürlich kein Mitspracherecht, wann man denn sein Bewerbungsgespräch gerne hätte. Gibt es allerdings die Möglichkeit dazu, gilt die Regel – Montage und Freitage vermeiden. An Montagen, also direkt nach dem Wochenende, ist für gewöhnlich richtig viel los und an Freitagen kann es sein, dass dein Interviewer nicht mehr richtig bei der Sache ist.
  • Poliere dein Social Media Profil auf. Es gehört heute zum guten Ton in HR-Abteilungen, die Profile potenzieller Kandidaten zu durchforsten. Soll heißen – keine Bilder mit Drogen, Alkohol, oder politischen Statements (du kennst die Einstellung deines Gegenübers nicht).

Das Gespräch

Komm 15 Minuten früher und sei vorbereitet.

Sei freundlich zu den Empfangsdamen und bleib ruhig. Fokussiere dich darauf dein Bestes zu geben. Vielleicht bekommst du den Job, vielleicht nicht. Zerbrich dir darüber jetzt nicht den Kopf. Gibst du dein Bestes, ist das Schlimmste das passieren kann, dass du daraus lernst und wertvolle Erfahrungen gewinnst.

Ein Portfolio-Mappe aus Leder ist angemessen, eine Aktentasche ist in den meisten Fällen zu viel des Guten. Hab immer ein paar Kopien deiner Unterlagen (Lebenslauf, Bewerbungsschreiben, Referenzen) bei dir. Normalerweise wirst du mit deinen Kopien wieder nach Hause gehen, doch sollte der Interviewer, oder irgendjemand anders, eine deiner Unterlagen gerade nicht zur Hand haben, wirkst du professionell und vorbereitet.

Wenn du deinen Interviewer triffst, schüttle seine Hand. Steh dazu auf und schau, dass deine Hand trocken ist (es ist ok, wenn du deine Hand kurz an deiner Hose trocken wischst – besser als ein feuchter Händedruck). Der Händedruck sollte kräftig sein, aber übertreibe es nicht und versuche nicht seine Hand zu zerquetschen.

Komm angemessen gekleidet. Ich war ja versucht zu schreiben im Anzug, aber abhängig von der Stelle auf die du dich bewirbst, ist ein Anzug nicht immer notwendig. Das Zauberwort für den Dress-Code bei deinem Bewerbungsgespräch ist also – angemessen.

Wie in jeder Lebenslage spielt eine positive Körpersprache eine wesentliche Rolle. Also – Schultern zurück, Brust raus, Kinn leicht nach oben und versuche Augenkontakt zu halten (aber mach keinen Starr-Contest daraus).

Wird dir Wasser oder ein Kaffee angeboten, kannst du natürlich annehmen, aber nur wenn du unter Stress auch dazu fähig bist, ohne zittrige Hand zu trinken und nicht auszuschütten. Geh idealerweise mit leerer Blase zu deinem Bewerbungsgespräch.

Geh den Gesprächsbeginn bereits vorab in deinem Kopf durch. Viele Interviewer beginnen ein Gespräch mit „Erzählen Sie mir etwas über sich selbst.“. Da ist es kein Nachteil, wenn du dir bereits etwas zurecht gelegt hast.

Gesprächsführung

  • Sei ehrlich. Eine enttarnte Lüge führt immer dazu, dass man dich nicht nehmen wird, egal wie sehr du sonst überzeugen konntest. Steh zu deinen Schwächen und möglichen Lücken in deinem Lebenslauf. Bereite dich darauf vor, zu erklären warum Dinge so sind wie sie sind.
  • Sei präzise und halte dich kurz. Interviewer „opfern“ ihre Zeit für dein Bewerbungsgespräch. Rede nicht um den heißen Brei, sondern beantworte exakt die Fragen, die dir gestellt werden und bleib relevant.
  • Habe Beispiele. Wenn du Behauptungen aufstellst, überlege dir immer Beispiele zur Untermauerung. Aussagen ohne relevante und praktische Beispiele sind wenig wert.
  • Zeig, dass du geeignet bist. Ein guter Weg das zu tun, ist zu beschreiben wie du eine bestimmte Problemstellung lösen würdest, oder wie du, sollten sie dich einstellen, den Job erfolgreich erledigen würdest. Viele Kandidaten sind dafür zu passiv. Mit Erfahrung kommt Gelassenheit und du kannst Sachen sagen wie „Lassen Sie mich Ihnen sagen, wie ich diese Aufgabe bewältigen würde. Ich habe bereits mit (etwas Ähnliches) gearbeitet und meine gesammelten Erfahrungen und Fähigkeiten sind sehr gut auf dieses Problem übertragbar.“ 

Nach dem Gespräch

So – jetzt ist es vorbei. Du kannst relaxen, der Rest liegt nicht mehr in deinem Einflussbereich. Zuvor solltest du noch eine Dankschreiben senden. Und ja, ich weiß, dass die Meinungen da auseinandergehen. Trotzdem bin ich fest von der Wirksamkeit überzeugt, wenn man es richtig macht. Also kein Anbiedern und auf jeden Fall eine Bezugsherstellung zum Bewerbungsgespräch. „Vielen Dank, für die Einladung zum Gespräch und Ihre Zeit.“ „Unser Austausch über die Herausforderungen, denen sich die Branche stellen muss, hat mich in meinem Wunsch bestärkt, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten.“

Fragen

„Like Guns, They Should Be Treated Like They’re Loaded“

  • Erzählen Sie mir etwas über Sie! Wird, wie gesagt, von Interviewern oft als Gesprächseinstieg verwendet. Das hilft ihnen, sollten sie nicht genau über dein Profil im Bild sein, oder wird dazu verwendet, um an Informationen zu kommen, die Bewerber so nicht preisgeben würden.
  • Was wissen Sie über unser Unternehmen? Im Prinzip geht es bei dieser Frage gar nicht wirklich um profundes Wissen, vielmehr checkt der Interviewer, ob du dir wenigstens die Mühe gemacht hast, die Homepage zu besuchen (oder du zu dumm oder faul warst). Um Eindruck zu schinden, lies und studiere Jahresberichte, Quartalszahlen und Blog Einträge.
  • Warum sollten wir Sie einstellen? Hab ein paar gute Gründe, idealerweise ergänzt durch praktische Beispiele, parat.
  • Problemstellungen. Bekommst du vom Interviewer ein konkretes Problem vor die Nase gesetzt, denk laut darüber nach. Es geht weniger darum, die hundertprozentig korrekte Antwort zu finden, als dass du dem Interviewer zeigst, dass du unter Druck zu klaren Gedankengängen und lösungsorientierten Ansätzen fähig bist.
  • Was ist Ihre größte Schwäche? „Ich bin ein Perfektionist“ ist keine akzeptable Antwort. Besser ist die Antwort mit einer Stärke zu beginnen und in eine Schwäche überzuleiten. „Ich bin ein Hands-on-Typ. Einer meiner Stärken ist mit Geschäftspartnern zu verhandeln und Abschlüsse zu generieren. Dabei merke ich oft, dass meine rechtlichen Kenntnisse ausbaufähig sind und ich sehe diese Möglichkeit als Chance genau das zu tun…“

Gesprächsende

„Haben Sie noch Bedenken bezüglich etwaiger Schwächen? Gibt es noch ein Thema das ich Ihnen genauer erläutern kann?“

Entweder es gibt von der Seite des Interviewers nichts mehr auszusetzen, oder es gibt noch etwas und du bekommst die Chance deine Seite der Geschichte darzustellen.

Bonus

Man redet über dich. Mach dich nicht angreifbar, durch schlechten Atem, Nasenbohren, oder sonstiges schlechtes Benehmen.

Generell gibt es zwei Sachen nach denen Interviewer Ausschau halten. Erstens – du bist in der Lage den Job zu machen, ohne ständige Fehler und Anleitung (sprich ohne Babysitter). Und zweitens – du bist ein Teamplayer, der mit Anderen arbeiten kann, ohne das soziale Klima zu zerstören. Es geht dem Interviewer um den Mehrwert, den du für das Unternehmen generierst und nichts Anderes. Zerstreue seine Bedenken und und zeige deine Stärken auf.

Behalte den Guide in deinem Hinterkopf und rocke dein nächstes Bewerbungsgespräch. Also – go for it!

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